Warum sich 2026 so viele diese Frage stellen
Vor einem Relaunch fragen uns fast alle Unternehmen dasselbe. Ist WordPress noch das richtige System?
Ich arbeite seit über acht Jahren mit WordPress und habe in dieser Zeit auch Wix und Webflow ausprobiert. Unsere eigene Website lief zwei Jahre auf Webflow. Die Frage ist also berechtigt, und ich stelle sie mir selbst immer wieder.
Hinter der Frage stecken heute meistens zwei Gedanken. Sie kommen aus ganz verschiedenen Richtungen.
«Baukästen wie Wix oder Webflow sind doch viel einfacher.»
Moderne Oberflächen, alles aus einer Hand, kein Plugin-Wildwuchs. Das klingt verlockend.
«Wenn KI Websites baut und Fragen beantwortet, braucht es dann überhaupt noch ein CMS?»
Diese Frage war auch an der ZHAW eines der grossen Diskussionsthemen.
Beide Gedanken nehme ich in diesem Artikel ernst. Bevor wir aber über Alternativen und KI reden, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Fakten.
Wo steht WordPress heute wirklich?
WordPress ist immer noch die klare Nummer eins
Die Zahlen von W3Techs zeigen ein deutliches Bild. Kein anderes System kommt auch nur in die Nähe.
40,1 % aller Websites weltweit laufen mit WordPress
58,6 % aller Websites mit einem CMS nutzen WordPress
Marktanteil unter den Websites mit CMS
Ehrlicherweise muss ich sagen, dass der Anteil leicht gesunken ist. In der letzten Version dieses Artikels standen noch 42,2 %. Gewachsen sind vor allem Shop-Systeme wie Shopify und Baukästen wie Wix.
Die Grösse hat einen ganz praktischen Vorteil. Für fast jede Anforderung gibt es bereits erprobte Lösungen, Erweiterungen und Fachleute. Das macht WordPress berechenbar.
Grösse allein ist aber kein Argument für die Zukunft. Viele grosse Systeme sind irgendwann stehen geblieben.
Hält WordPress mit der Entwicklung der KI Schritt?
2026 hat WordPress die Tür für KI geöffnet
Am 20. Mai 2026 ist WordPress 7.0 erschienen. Zum ersten Mal ist eine Schnittstelle zu KI-Modellen direkt im Kern enthalten, also ohne zusätzliches Plugin.
Für dich bedeutet das vor allem eines. Zusammen mit dem offiziellen MCP-Adapter können sich KI-Assistenten wie Claude direkt mit deiner Website verbinden und dort Inhalte lesen und bearbeiten.
Abilities API
Die Website beschreibt, welche Aktionen möglich sind. So weiss eine KI, was sie tun darf. Eingeführt mit 6.9, mit 7.0 ausgebaut.
AI Client
Neu im Kern von 7.0. Eine gemeinsame Verbindung zu KI-Modellen, die Erweiterungen nutzen können, unabhängig vom Anbieter.
MCP-Adapter
Ein offizielles Zusatzpaket des WordPress-Projekts. Die Brücke, über die KI-Agenten direkt auf WordPress arbeiten.
MCP steht für Model Context Protocol. Es ist der Standard, über den sich KI-Assistenten mit anderen Programmen verbinden. Statt im Backend herumzuklicken, beschreibst du im Chat, was du ändern willst.
Eine angekündigte Funktion hat es nicht in 7.0 geschafft. Die Zusammenarbeit in Echtzeit im Editor wurde kurz vor dem Release wieder herausgenommen. Trotzdem ist das der grösste Schritt seit Jahren, und er zeigt, dass WordPress nicht stehen bleibt.
Das klingt nach Zukunft. Wie gut funktioniert es im Alltag wirklich?
Was KI auf WordPress wirklich kann und wo es hakt
Wir arbeiten jeden Tag so. Unseren Website-Kosten-Rechner und den SEO-ROI-Rechner haben wir zum Beispiel per Chat direkt auf WordPress gebaut. Es ist beeindruckend, wie schnell man damit vorankommt.
Schneller ist man mit KI aber nicht immer. Der Unterschied liegt in der Art der Aufgabe.
Per Chat stark bei vielen Seiten gleichzeitig
- Interne Links in 40 Blogartikeln anpassen
- Meta-Titel einer ganzen Kategorie überarbeiten
- Eine neue Sektion auf zehn Landingpages einbauen
- Einen ersten Entwurf für ein neues Layout
Im Editor schneller bei kleinen Änderungen
- Einen Tippfehler korrigieren
- Ein Bild austauschen
- Einen Button verschieben
- Einen Satz umformulieren
Bei kleinen Änderungen muss man im Chat zuerst genau beschreiben, was wo passieren soll. Oft passt das Ergebnis dann noch nicht ganz und man beschreibt es nochmals. In Elementor klickt man einfach auf den Text, ändert ihn und speichert.
Das grössere Thema ist aber ein anderes. Eine KI mit Schreibzugriff kann eine Website genauso schnell kaputt machen, wie sie sie verbessert. Uns ist genau das passiert.
Bei einer Änderung, die Claude an unserer eigenen Website vorgenommen hat, war die Seite danach nicht mehr brauchbar. Weil wir vor jeder Änderung automatisch ein Backup erstellen, konnten wir es einfach zurückspielen. Nach wenigen Minuten lief wieder alles.
Wir hatten Glück im Unglück, weil wir vorbereitet waren. Andere hatten das nicht. Wir haben schon Anfragen von Unternehmen bekommen, die ihre Website mit KI zerschossen hatten und kein Backup besassen. Die Website musste neu gebaut werden.
Nicht in jedem Marketing-Team sitzt jemand, der ein Backup einspielen kann. Und wenn ein Mensch im Editor einen Fehler macht, betrifft das meistens eine einzelne Seite. Ein Agent mit Zugriff auf die ganze Website kann sehr viel auf einmal verändern.
Dazu kommt ein Punkt, den viele unterschätzen. In WordPress hat jede Person ihren eigenen Login und ihre eigene Rolle, und jede Änderung landet in der History. Wer über einen gemeinsamen Chat-Zugang arbeitet, verliert diese Nachvollziehbarkeit.
Die KI ist ein Beschleuniger für Menschen, die das Ergebnis auch beurteilen können.
Unsere Empfehlung ist deshalb klar. Verbinde die KI nicht direkt mit der Live-Website, sondern mit einer Testumgebung, einem sogenannten Staging. Dort macht die KI ihre Änderungen, jemand prüft das Ergebnis, und erst dann geht es live.
Wenn KI so viel kann, braucht es dann überhaupt noch ein CMS?
Braucht es in Zukunft überhaupt noch ein CMS?
Hier kommt der zweite Gedanke vom Anfang zurück. Wenn immer mehr Menschen ihre Antworten direkt von ChatGPT oder Google bekommen, wer liest dann noch Websites?
60 % der Google-Suchen in den USA und der EU enden ohne Klick auf eine Website
1 von 31 Website-Besuchen stammt von einem KI-Bot
Quellen SparkToro, Zero-Click Search Study 2024 · TollBit, State of the Bots Q4 2025
Heisst das, dass die Website an Bedeutung verliert? Ich glaube nicht. KI-Systeme brauchen eine Quelle für ihre Antworten, und diese Quelle ist meistens eine gut gepflegte Website.
Dazu kommt, dass die meisten Menschen inzwischen wissen, dass KI Fehler macht. Bevor sie eine Anfrage schicken oder etwas kaufen, prüfen sie die Angaben deshalb trotzdem auf der Website.
Das CMS verliert also nicht seine Aufgabe. Es bekommt eine zusätzliche dazu. Es muss Inhalte so sauber liefern, dass Menschen und Maschinen sie verstehen.
Trotzdem gibt es Fälle, in denen es heute ganz ohne CMS geht.
Ein CMS braucht es, wenn
- mehrere Personen mit verschiedenen Rollen Inhalte pflegen
- ein Blog, ein Shop oder Formulare mit Logik dazugehören
- Freigaben, Redaktionsprozesse oder Mehrsprachigkeit nötig sind
Eher nicht, wenn
- eine einzelne Person die Website betreut und alles per KI im Code pflegt
- es eine reine Visitenkarte ohne laufende Updates ist
- es um eine Kampagnen-Seite mit kurzer Lebensdauer geht
Für die meisten Unternehmen, die wir betreuen, trifft die linke Seite zu.
Wenn es also ein CMS braucht, warum dann ausgerechnet WordPress?
Vorteile und Nachteile von WordPress im Vergleich
WordPress ist nicht für jedes Projekt die beste Lösung. Die Stärken und Schwächen hängen aber fast immer am gleichen Punkt, nämlich am Setup.
Was für WordPress spricht
- Open Source, ohne Lizenzkosten
- Volle Kontrolle über Daten, Hosting und Infrastruktur
- Über 75’000 kostenlose Plugins im offiziellen Verzeichnis
- Stark bei Mehrsprachigkeit, wichtig in der Schweiz
- Starkes SEO-Fundament bei sauberem Setup
- Jetzt offen für KI-Agenten
Was du einplanen musst
- Mehr Wartung als bei einem Baukasten
- Mehr technisches Know-how nötig
- Der Plugin-Stack kann unkontrolliert wachsen
- Performance leidet bei schlechten Themes
- Sicherheitsrisiken bei fehlenden Updates
- Komplexität steigt mit der Grösse des Projekts
Quelle Plugin-Zahl WordPress.org Plugin-Verzeichnis, Stand Oktober 2026
Die Nachteile von WordPress, genauer angeschaut
Viele typische Kritikpunkte lassen sich mit dem richtigen Setup, gutem Hosting und regelmässiger Wartung in den Griff bekommen. Drei davon hören wir besonders oft.
«WordPress ist langsam»
Das stimmt so nicht. Die Ladezeit hängt stark von Themes und Plugins ab. Mit einem schlanken Theme und Managed Hosting mit Caching und CDN, etwa bei Kinsta, ist ein PageSpeed von über 90 problemlos möglich.
«WordPress ist unsicher»
Viele Probleme liegen nicht am System, sondern an fehlenden Updates, alten Plugins und schwachen Logins. 2FA, Rate Limiting und WAF-Regeln senken das Risiko deutlich.
«Für alles braucht es ein Plugin»
Die grosse Auswahl ist eine Stärke, solange man bewusst auswählt. Wenn über Jahre mehrere Leute an einer Website arbeiten, wächst der Plugin-Stack aber schnell. Dann helfen regelmässige Bereinigung und Wartung.
Auch das Backend wirkt auf viele altmodisch. Mit WordPress 7.0 hat die erste grosse Auffrischung der Oberfläche seit Jahren begonnen, ein Baukasten wie Webflow sieht aber moderner aus. Wer mit Elementor arbeitet, bekommt einen visuellen Editor, der deutlich einfacher zu bedienen ist als das klassische Backend.
Meine Erfahrungen aus der Praxis
Die Erfahrung mit WordPress hängt extrem stark davon ab, wer die Website aufsetzt. Eine sauber geplante WordPress-Website fühlt sich stabil und langfristig erweiterbar an. Eine schlecht gebaute fühlt sich langsam, unübersichtlich und wartungsintensiv an.
Wir sehen das besonders bei Website-Übernahmen. Oft ist nicht WordPress das Problem, sondern eine Mischung aus schweren Themes, zu vielen Plugins und fehlender Wartung. Werden diese Punkte bereinigt, wird aus einer problematischen Website oft wieder ein sehr solides System.
Die Website von Zwyssig, die wir beim Relaunch begleitet haben, erreicht zum Beispiel einen PageSpeed von 99 und ist barrierefrei umgesetzt.

Unsere eigene Erfahrung. Wir hatten unsere eigene Website zwei Jahre lang auf Webflow. Vor allem beim mehrsprachigen SEO gab es Probleme. Sprachverweise wurden nicht korrekt ausgespielt und Übersetzungen nicht so abgebildet, wie wir es wollten. Deshalb sind wir zurück zu WordPress gewechselt.
WordPress vs. TYPO3, Wix, Webflow und Craft CMS
Die Alternativen sind nicht schlecht. Sie setzen aber andere Schwerpunkte. Bei geschlossenen Plattformen entscheidet der Anbieter, was möglich ist und was es kostet. Bei WordPress gehören Website, Daten und Code dir.
WordPress vs. TYPO3
TYPO3 ist in der Schweiz vor allem bei grösseren Unternehmen und Behörden verbreitet. Es ist flexibel, aber oft kompliziert. Viele sind für kleine Änderungen auf eine Agentur angewiesen, und SEO lässt sich weniger einfach umsetzen als mit Plugins wie Rank Math.
WordPress vs. Craft CMS
Craft CMS bietet viele Anpassungsmöglichkeiten, ist ohne technisches Know-how aber schwer zu bedienen. Ähnlich wie bei TYPO3 sind viele Unternehmen auf externe Dienstleister angewiesen.
WordPress vs. Wix
Wix richtet sich an Einsteiger und ist leicht zu bedienen. Wer eine skalierbare Plattform mit mehr SEO-Möglichkeiten und vollem Zugriff auf die Daten sucht, fährt mit WordPress besser. Zum Vergleich Wix vs. WordPress
WordPress vs. Webflow
Webflow hat einen starken visuellen Editor, ist aber weniger flexibel bei komplexen CMS-Funktionen und Mehrsprachigkeit. Zum Vergleich Webflow vs. WordPress
Du planst einen Relaunch und brauchst Unterstützung? Als WordPress-Agentur aus Rotkreuz begleiten wir Unternehmen von der Analyse über Design und Entwicklung bis zum Marketing.
Bleibt die wichtigste Frage. Passt WordPress zu deinem Projekt?
Für wen ist WordPress heute noch sinnvoll?
WordPress ist besonders sinnvoll für Unternehmen, die viele Inhalte verwalten, über Google gefunden werden wollen, Anfragen über ihre Website gewinnen oder mehrere Sprachen brauchen. Für KMU lassen sich Firmenwebsite, Blog, Landingpages und bei Bedarf ein Shop in einem System abbilden.
Hake ab, was auf dein Projekt zutrifft.
Was heisst das unter dem Strich?
WordPress bleibt, aber die Arbeit damit verändert sich
Meine Antwort auf die Frage ist deshalb klar. WordPress ist 2026 zeitgemäss, wenn es sauber aufgesetzt und gepflegt wird.
Mit Version 7.0 öffnet sich WordPress offiziell für KI. Gleichzeitig bleiben die alten Stärken, nämlich Kontrolle, Flexibilität und eine riesige Auswahl an Lösungen.
Wer WordPress mit KI ergänzt und dabei mit Staging und Backups arbeitet, bekommt die Geschwindigkeit der KI, ohne auf Rollen, History und eine schnelle Wiederherstellung zu verzichten.
Häufige Fragen zu WordPress
Wird WordPress durch KI abgelöst?
Nein, im Gegenteil. Mit WordPress 7.0 und dem MCP-Adapter können KI-Agenten direkt auf WordPress arbeiten. Die KI ersetzt das CMS nicht, sie wird zu einem zusätzlichen Werkzeug, um damit zu arbeiten.
Kann KI meine WordPress-Website bearbeiten?
Ja, über das Model Context Protocol (MCP). Wir empfehlen, die KI mit einer Testumgebung zu verbinden und vor jeder Änderung ein Backup zu erstellen.
Ist WordPress sicher?
Ja, wenn es regelmässig gewartet wird. Die meisten Probleme entstehen durch fehlende Updates, alte Plugins und schwache Logins. Mehr dazu im Artikel Ist WordPress sicher?
Was ist Headless WordPress und brauche ich das?
Bei Headless WordPress dient WordPress nur noch als Backend, die sichtbare Website wird separat programmiert. Das bringt Flexibilität und kann schneller sein, kostet aber deutlich mehr Entwicklungsaufwand. Für klassische Unternehmenswebsites ist ein normales WordPress-Setup meist die bessere Wahl.
Wann ist ein Baukasten wie Wix die bessere Wahl?
Wenn du eine kleine Website ohne laufende Updates brauchst und sie selbst ohne technisches Wissen pflegen willst.
Du planst einen Relaunch und brauchst Unterstützung? Als WordPress-Agentur aus Rotkreuz begleiten wir Unternehmen von der Analyse über Design und Entwicklung bis zum Marketing.